Gartenanlage, Kleingarten, Schuppen, Urban Gardening
Urban Gardening • Ein Trend, der Nachhaltigkeit verspricht

Urban Gardening – Stadt und Grün

 

1. Blumen- und Gemüse-Anbau mit Urban Gardening

Je nachdem, wo Sie die Pflanzen anbauen wollen, müssen Sie unterschiedliche Dinge beachten. Dächer und Balkone haben beispielsweise eine unterschiedliche Tragkraft. Auch die Be- und Entwässerung muss unterschiedlich geregelt werden.

Die Begrünung der Fassade oder des Daches hat neben den ästhetischen Gründen auch einen großen Vorteil für Sie: Die Pflanzenschicht isoliert. Sie können damit Ihre Heizkosten senken und im Sommer heizt das Haus nicht so stark auf.

An der Hausfassade

Verschönern Sie mit Urban Gardening Ihre Hausfassade! Im Folgenden finden Sie alle Tipps zum richtigen Standort und wie Sie Pflanzen am besten anbringen. Auch Wuchstyp und Art der Begrünung (Immergrün und Mischbegrünung). Neben allgemeinen Tipps und Tricks finden Sie hier alle Informationen über den Aufwand, mögliche Probleme und wie Sie diese ganz einfach vermeiden können.

Standort

Damit Ihre Pflanzen gut gedeihen ist ein meist sonniger Platz wichtig. Zum einen brauchen Pflanzen viel Licht, zum anderen viel Wärme. Hauswände speichern die Wärme und geben sie auch gegen Ende des Tages noch ab. Aber Vorsicht: Viel Wärme bedeutet auch viel Wasser!

Weiter muss die Begrünung windgeschützt sein. In Städten ist das meist gegeben, in offenerer Lage muss ein entsprechender Windschutz angebracht werden.

Für Kletterpflanzen eignet sich ein humusreicher Boden am besten. Ebenso wichtig ist Mulch, um den Pflanzen einen feuchten Untergrund zu sichern. Bringen Sie Ihre Kletterpflanze nicht in der Nähe von Bäumen oder Büschen an, da sonst Wasserkonkurrenz entsteht. Mit Folie können die Pflanzen davor geschützt werden.

Pflanzringe und Topfpflanzen

Pflanzringe sind eigens auf die Bedürfnisse der Pflanze zugeschnittene Bereiche, die meist von Steinen umrandet sind. Wenn möglich, sollte Kontakt zum Erdreich bestehen und nicht der Blumentopf allein eingesetzt werden. Weiter verhindern Pflanzringe, dass sich das Pflastergefüge lockert und eventuell absenkt.

Eine andere Variante sind Pflanzkübel. Sie müssen ein Fassungsvermögen von 10 – 30 Litern und einen Wasserabfluss haben. Stellen Sie, anders als bei manchen Zimmerpflanzen, keine Schalen unter den Topf um Wasser aufzufangen! Sie können Ihren Topf entweder mit Mutterboden oder einer Mischung aus Kompost, Lehm und Sand befüllen. Auch Mulch ist hier empfehlenswert.

Wuchstyp

Je nach Wuchstyp müssen verschiedene Bedingungen gegeben sein. Es gibt selbstkletternde Pflanzen, die ohne Rankhilfe auskommen. Lianen bzw. Schlingpflanzen benötigen aber diese Hilfen. Bei Ihnen ist zu beachten, dass Starkschlinger das Ranksystem nach einiger Zeit beschädigen können, wenn Haupttriebe nicht abgewickelt und außen an der Rankhilfe befestigt werden.

Ranker benötigen ebenfalls ein Gestell um zu wachsen, da sie sich z. B. um Seile schlingen. Sie stellen ihr Wachstum nach einiger Zeit ein und verholzen. Blattstielranker hingegen sind nicht sehr widerstandsfähig. Sie bilden keine festen Stämme aus und benötigen daher engere Gitter um zu wachsen. Jedoch nicht zu eng. Die verholzten Teile lassen sich nur mühsam aus beispielsweise Maschendraht entfernen.

Die Rankhilfen für Spreizklimmer müssen fest verankert sein, um die Spannungen während des Pflanzenwachstums auszuhalten. Ideal sind gitterförmige Anordnungen. Einjährige Hängepflanzen sind sowohl kostengünstig, als auch pflegeleicht. Sie benötigen keine Rankhilfen und sind ideal für dichte, flächendeckende Begrünung.

Immergrüne, Mischbegrünung

Immergrüne (meist wintergrüne) Pflanzen behalten, wie der Name schon sagt, den Winter über ihre Blätter. Sie blühen allerdings in wärmeren Monaten kaum bis gar nicht. Auch hier ist Efeu eine gute Wahl, kann aber auch in einem sehr strengen Winter oder durch Wassermangel verdorren.

Bei Mischbegrünung gilt das Prinzip: Weniger ist mehr! Wachsen viele Kletterpflanzen am selben Ort, setzt sich meist die stärkste durch. Eine Mischbegrünung mit mehreren verschiedenen Pflanzenarten ist trotzdem möglich, wenn jede Pflanze eine eigene Pflanzgrube hat. Eine andere Möglichkeit ist genug Abstand im Pflanzstreifen zu halten. Kletterpflanzen die keine Blüten haben lassen sich gut durch Blühpflanzen ergänzen – z. B. Efeu und Strauchrose.

Aufwand

Die pflegeleichtesten Kletterpflanzen sind Selbstklimmer (z. B. Efeu und Wilder Wein). Sie benötigen weder Rankhilfen, noch aufwändige Pflege. Wachsen sie zu weit, müssen Sie zurückgeschnitten werden. Das war’s!

Wichtig: Sobald die Pflanzen lang genug geworden sind und das Dach erreicht haben, müssen sie regelmäßig geschnitten werden, sonst können Schäden am Dach entstehen!

Einjährige Pflanzen benötigen lediglich Wasser und Dünger, ansonsten brauchen sie wenig Unterstützung. Schlingpflanzen und Pfeifenwinde hingegen brauchen sowohl in der Aufbauphase viel Hilfe (sonst verkümmern sie) und müssen auch danach regelmäßig zurückgeschnitten werden. Regelmäßige Bewässerung ist in den meisten Fällen ebenso notwendig.

Wie Sie sehen, hat jede Pflanzensorte ihre eigenen Ansprüche, lassen Sie sich hier also vor der Begrünung umfangreich von ExpertInnen im Gartencenter Ihrer Wahl beraten.

Bauschäden

Besonders Selbstklimmer, Lichtflieher und Starkschlinger können Schäden an Fassaden und Gemäuern hinterlassen. Efeu und Wilder Wein können meist nicht komplett entfernt werden, es bleiben stark haftende Teile der Pflanzen zurück, die zu Baumängeln oder auch Schäden führen können. Lichtflieher, wie der Name schon vermuten lässt, verkriechen sich in Ritzen und Spalten. Dort können sie Bauschäden verursachen. Den größten Schaden können wohl Starkschlinger ausrichten. Sie lösen Spannungen aus und können umschlungene Bauteile stark in Mitleidenschaft ziehen.

Auf dem Dach

Dachbegrünung bringt viele Vorteile mit sich. Ein großer Vorteil ist die Verbesserung des Stadtklimas. Durch Urban Gardening auf dem Dach werden Schadstoffe und Staub aus der Luft gefiltert. Weiter heizen Städte mit viel Dachbegrünung der versiegelten Flächen nicht so schnell auf. Das Raumklima wird ebenfalls verbessert, da das aufgenommene Wasser wie eine Klimaanlage funktioniert und gleichzeitig vor Wärme und Kälte isoliert. Obwohl die Optik auch eine große Rolle spielt und das Stadtbild dadurch verschönert werden kann, ist doch ein weiterer ökologischer Aspekt sehr wichtig: Das Dach kann beispielsweise Vogelarten, Schmetterlingen und Bienen als Lebensraum dienen.

Natürlich ist ein begrüntes Dach auch mit Arbeit verbunden. Es darf kein Wildwuchs entstehen. Sträucher, Gras und andere Pflanzen müssen zurückgeschnitten werden. Die gewünschte Begrünung muss mit Substraten genährt werden.

Lassen Sie Ihr Dach vor der Begrünung überprüfen

Das Dach muss vor der Bepflanzung erst geprüft werden, da sonst Schäden des Dachs auftreten können oder sogar ein Einsturz droht. Diese Kosten sollten Sie vor der Begrünung unbedingt einplanen.

Für eine Dachbegrünung muss eine gewisse Tragfähigkeit gegeben sein. Bei Neubauten kann diese bei der Planung berücksichtigt werden. Unterschieden wird in Kalt- und Warmdächer: Warmdächer sind grundsätzlich für die Begrünung geeignet. Besteht ihr Dach aus Bitumen, ist eine Schutzschicht zwischen Dach und Wurzelschutzschicht zwingend erforderlich, ansonsten zersetzen sie sich gegenseitig.

Die richtige Schichtanordnung macht’s

Nach der Wurzelschutzschicht, die das Eindringen von Wurzeln in das Baumaterial verhindert, kann ein zusätzlicher chemischer Wachstumshemmer aufgetragen werden. Anschließend folgt eine Drainage-Schicht. Diese regelt sowohl die Sauerstoff-, als auch Wasserzufuhr. Die Filterschicht unterstützt die vorherige Drainage-Schicht. Sie besteht meist aus Vlies, ist also witterungsstabil und verrottet nicht.

Die Substrat- bzw. Vegetations-Schicht muss windresistent, sowie wasserdurchlässig sein und Nährstoffe speichern. Humus, Mineralien (Lava, Bims, Ziegelsplitt, …) und Einheitserde, aber auch Ton und Lehm werden dafür hergenommen. Bei intensiver Bepflanzung werden schwere Substratmischungen empfohlen, bei weniger intensiver dementsprechend leichtere.

Welche Pflanzen eignen sich am besten für Ihr Dach?

Erwägen Sie eine leichte Begrünung, haben sich wasserspeichernde Arten bewährt. Intensivbegrünungen mit höheren Substratschichten können in der Regel wie Gärten bepflanzt werden. Beachten Sie jedoch, dass diese unempfindlich gegen Frost, Hitze und Trockenheit sein müssen.

Ist Ihr Dach flach und leicht durch eine Treppe zu erreichen? Dann können Sie Beete anlegen oder aufstellen und einen Gemüsegarten anzüchten. Dadurch sind Sie immer mit frischen Lebensmitteln versorgt. Wie Sie einen Gemüsegarten anlegen erfahren Sie hier.

Bevor Sie Ihr Dach eigenhändig mit Urban Gardening zu einer umweltfreundlichen Oase umgestalten, sollten Sie allerdings einen Profi kontaktieren.

Auf dem Balkon

Wohnen Sie in einer Mietswohnung und können weder Fassade, noch Dach begrünen? Versuchen Sie es doch mit Ihrem Balkon! Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten mit Urban Gardening auf Ihrem Balkon etwas für sich und Ihre Umwelt zu tun.

Für jede/n den richtigen Topf

Die klassischen Hängekästen für Ihr Geländer sind Ihnen sicherlich bekannt. Genauso normale Blumentöpfe oder kleine Gewächshäuser. Platzsparende vertikale Beete  bieten jedoch im Vergleich mehr Platz für verschiedene Pflanzen auf wenig Raum. Sie haben auch noch einen weiteren Vorteil: sie dienen Ihnen als hübscher Sichtschutz. Auch Ihre Hängekästen können Sie gegebenenfalls erweitern und mit Haken untereinander befestigen.

Auf einem großen Balkon oder einer Terrasse können auch Hochbeete aufgestellt werden, achten Sie hierbei aber auf die Tragkraft ihres Balkons oder Ihrer Terrasse, sonst erleben Sie eine böse Überraschung. Bei alten Häusern kann es vorkommen, dass der Boden bzw. die Decke nicht gut genug isoliert ist. Mit zu hohem Gewicht und fehlendem Abfluss entsteht ein Wasserschaden.

Auch an den Wänden können verschiedene Systeme angebracht werden. Gestelle mit Kletterpflanzen (wie bei der Fassadenbegrünung) oder auch Pflanztaschen sind für Ihre Wände geeignet. Können Sie Regale anbringen, bietet sich hier ebenso viel Stauraum. Mit diesen Tricks haben Sie weiterhin viel Platz für Sitzgelegenheiten.

Welche Pflanze muss wo hin?

Der Standort ist für Ihre Pflanzen sehr wichtig. Sie haben alle unterschiedliche Bedürfnisse. Tomaten benötigen viel Sonne und Wärme, während Sie Blumen vor zu viel Sonneneinstrahlung schützen sollten.

Welche Pflanzen Sie wählen, hängt ganz davon ab, welche Lage Ihr Balkon hat und wie viel Aufwand Sie investieren wollen. Sind Sie eher bequem, bieten sich Lavendel, Hortensien oder Rosen an. Für einen sonnigen Standort sind mediterrane Pflanzen perfekt. Für Pflanzen mit einem hohen Wasserbedarf gibt es auch Wasserspeicherkästen, damit Sie diese nicht jeden Tag gießen müssen.

Glockenblume, Fuchsie und Tränendes Herz wachsen auch an schattigen Orten. Ist es doch einmal zu kühl, können Sie Ihre Balkonpflanzen einfach in Zeitungspapier einwickeln. Können Sie mit einem großen Balkon dienen, sind Oleander, Oliven- oder Zitronenbäumchen eine schöne Ergänzung. Sie brauchen viel Platz und eignen sich daher nicht für kleine Balkone. Wollen Sie diese dennoch, gibt es oftmals Mini-Ausgaben der Bäume.

Nicht nur Blumen, auch Gemüse können Sie auf Ihrem Balkon anbauen! Kartoffeln, Karotten, Salate, Kräuter… Die ganze Vielfalt aus der Frische-Ecke im Supermarkt kann auf Ihrem Balkon wachsen.

2. Mit Urban Gardening bedrohte Arten retten

Vor allem Ihnen als Gartenfan ist es sicherlich zu Ohren gekommen, dass besonders durch die intensive Benutzung von Pestiziden in  der Landwirtschaft immer weniger Vögel, Bienen und Schmetterlinge zu beobachten sind. Manche Arten sind sogar vom Aussterben bedroht. Mit Ihrem eigenen kleinen Gartenparadies können Sie helfen das Artensterben aufzuhalten.

Lavendel, Sonnenblumen, Margeriten und auch Kapuzinerkresse sehen nicht nur schön aus, sondern locken sowohl Bienen als auch Schmetterlinge an. Wildblumenmischungen enthalten eine Vielfalt an Pflanzen und sind oftmals sehr günstig. Erdbeeren, Minze und andere Kräuter schmecken nicht nur Ihnen, sondern auch den Bienen gut.

Sie sehen also: es gibt viele Möglichkeiten, Ihr Haus oder Ihren Balkon zu einer Gartenoase umzugestalten. Ganz ohne Garten! Vielleicht haben Sie jetzt sogar Lust bekommen selbst zu gärtnern im Stil von Urban Gardening. Die Mühe wird sich definitiv auszahlen! Für Sie und für Ihre Umwelt, die sich an schönen Pflanzen erfreuen wird.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.