Barrierefrei Bauen – in Ihrem Eigenheim

Barrierefreies Bauen – Unabhängigkeit in Ihrer Wohnung

Barrierefrei zu bauen ist bei der Planung neuer Gebäude immer häufiger ein Begriff. Zu recht! Denn diese Bauweise fördert nicht nur die Inklusion schwerbehinderter Menschen. Barrierefreiheit ermöglicht auch Ihnen im Alter ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden.

Die Tipp zum Bau Seite bietet Ihnen Navigationspunkte bei Ihrer Recherche.

1. Bedeutung von „barrierefrei“ in Ihrem Eigenheim

Barrierefrei zu bauen ist vorausgedacht.

Was bedeutet überhaupt barrierefrei?

Der Begriff „barrierefreies Bauen“ bezeichnet den gleichberechtigten Zugang zu Gebäuden für Menschen mit körperlicher oder motorischer Einschränkung. Weitere Bezeichnungen können unter anderem „Bauen für alle“, „behindertengerechtes Bauen“ oder „Design für alle“ sein.

Die Standards für die Bezeichnung „barrierefrei“ werden in der Baunorm DIN 18040 festgelegt. Nicht geschützte Begriffe sind beispielsweise „barrierereduziert“, „rollstuhlgerecht“ oder „altersgerecht“. Damit können Unternehmen für Einrichtungen werben, ohne dass alle Standards der DIN-Norm eingehalten werden müssen.

Die Zielgruppen des barrierefreien Bauens sind:

  • Ältere Menschen mit Einschränkungen in ihrem Bewegungsapparat.
  • Personen, die auf Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen und Ähnliches angewiesen sind.
  • Menschen mit eingeschränkter Wahrnehmung (zum Beispiel Blinde).
  • Kleinwüchsige oder großwüchsige Personen.
  • Eltern mit Kinderwägen.

2. Barrierefrei – verschiedene Arten

Die jeweiligen Personengruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl an Maßnahmen zum Neu- beziehungsweise Umbau des barrierefreien Eigenheims. Diese Arten der Barrierefreiheit lassen sich weitgehend in drei Gruppen einteilen:

Vermeidung von Absätzen und Bodenschwellen

Der barrierefreie Zugang zum Gebäude wird durch eine Rampe ermöglicht.

Eine barrierefreie Rampe hilft Rollstuhlfahrern erheblich.

Dazu zählen der Einbau von Rollstuhlrampen, Treppenliften und schwellenlosen Übergängen beispielsweise zum Balkon:

  • Rollstuhlrampen gibt es auf dem Markt aus verschiedenen Materialen. Am besten bewährt haben sich dabei Kunststoff- und Metallrampen. Diese werden mit oder ohne Handlauf und Radabweiser angeboten. Weiterhin können Sie sich eine mobile Schwellenrampe anschaffen, die Sie auf Höhenübergängen anbringen. Somit gelangt beispielsweise ein Rollstuhlfahrer sicher auf die Terrasse.
  • Treppenlifte sind für Rollstuhlfahrer ebenfalls eine große Unterstützung im Alltag. Dies ist selbst für Treppen, die geradläufig oder abgewinkelt verlaufen, machbar. Einige Möglichkeiten sind Treppensitzlifte, Treppen-Deckenlifte und Treppenplattformlifte. Stufen lassen sich mit ihrer Hilfe sicher überwinden. Lediglich in Kostenfragen weisen Sie große Unterschiede auf.
  • Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Bodenübergänge von vorneherein schwellenlos zu gestalten. Rampen werden dann überhaupt nicht benötigt. Vor allem im Sanitärbereich ist das sinnvoll, um Allen den problemlosen Zutritt zu ermöglichen.

Gut erreichbare, sichere Installationen

  • Damit Ihre häuslichen Installationen barrierefrei sind, müssen Sie diese in der richtigen Höhe montieren. Dazu zählen Lichtschalter, Steckdosen sowie die Armaturen in Bad und Küche. In der Dusche können Sie rutschhemmende Bodenbeläge anbringen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Handläufe sowohl an der Treppe als auch im Wohnraum anzubringen. Bei Bedarf gibt es zusätzlich automatische Türöffner und Fensterschließer.
  • Die entsprechende Montage von Küchengeräten ermöglicht auch hier Barrierefreiheit. Um die Geräte bedienbarer zu machen, sind höhenverstellbare Installationen sinnvoll. Hier eignen sich beispielsweise ein unterfahrbarer Elektroherd und herausziehbare Brausen.
  • Denken Sie außerdem daran, die richtigen Bodenbeläge in Ihrem Eigenheim auszuwählen. In der Dusche bieten sich etwa rutschhemmende Bodenbeläge an. Hierfür gibt es eine Vielzahl an Produkten, die für kleinere und größere Flächen verwendbar sind.
  • Im Treppenhaus, im Badezimmer, sowie in der Küche können Sie außerdem Handläufe und Haltegriffe anbringen. Diese können an der Wand oder am Boden befestigt werden. Oft gibt es auch im Rollstuhlrampen-Sortiment viele Produkte, an denen bereits ein Handlauf angebracht ist.
  • Automatische Türöffner erleichtern Ihnen maßgeblich den Übergang in verschiedene Räume. Verlängerte Fensterhebel ermöglichen das Schließen der Fenster. Drehtüren, aber auch Fernbedienungen sind eine weitere Möglichkeit der erleichterten Bedienung.

Großzügige Flächen machen auch barrierefrei

  • Großflächige Räume erleichtern die freie Bewegung. Türen und Eingangsbereiche werden breit gebaut, damit Rollstühle und auch Kinderwägen durchfahren können.
  • Auch im Wohnraum werden breite Gänge und Bewegungsflächen geschaffen. Bei der Einrichtung der Möbel sollten Sie dies beachten und beispielsweise genug Platz um Ihr Bett lassen.

3. Kosten von barrierefreien Baumaßnahmen

Je nach Material und Aufwand unterscheiden sich die Kosten für die Baumaßnahmen stark. Wir haben in einer Tabelle die durchschnittlichen Komplettpreise in Euro aufgelistet. Diese können bei diversen Herstellern abweichen.

MaßnahmeDurchschnittlicher Preis
Rollstuhlrampen aus Kunststoff

Rollstuhlrampen aus Metall

Ab 200€

Ab 800€

Treppensitzlift

Treppen-Deckenlift

Treppenplattformlift

4.000-10.000€

15.000-16.000€

11.000-18.000€

Bodenbeläge rutschhemmend25-60€ pro m²
Handlauf für Treppen etc.Ab 150€
Armaturen für Dusche und BadewanneAb 250€
Barrierefreie Küche komplettAb 9.000€

4. Fördermöglichkeiten für Ihren barrierefreien (Um-)Bau

Eine barrierefreie Toilette.

Ein barrierefreies Bad hat Förderanspruch.

Für den barrierefreien (Um-)Bau gibt es zahlreiche Fördermittel, die Sie in Anspruch nehmen können. Diese müssen vor Baubeginn beantragt und bewilligt sein.

Dazu zählen:

  • Ihre Pflegekasse fördert je nach Pflegegrad.
  • Die KfW-Förderung ermöglicht altersgerechten Umbau.
  • Auch Ihre Krankenkasse zahlt manchmal.
  • Auch Ämter wie das Versorgungs- oder Sozialamt unterstützen.
  • Hilfen für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene.

Für den Antrag bei Ihrer Pflegekasse müssen Sie vor dem Bau einen Kostenvoranschlag einreichen. Voraussetzung für eine Bewilligung ist, dass sich die Lebenssituation des Betroffenen verbessert und es seine Pflege erleichtert. Hier ist ein Zuschuss von bis zu 4.000€ pro Maßnahme möglich.

Ein weiterer Kostenträger ist die KfW-Förderung für altersgerechten Umbau. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Standards der DIN-Norm eingehalten werden. Meist wird der Umbau von einem zertifizierten Handwerkerunternehmen vorgenommen.

5. Vor- und Nachteile von barrierefreiem Bauen

Insbesondere für Rollstuhlfahrer hat Barrierefreiheit viele Vorteile.

Hat barrierefreies Bauen eine Zukunft?

Nicht nur für schwerbehinderte Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, bietet dieser Baustil Vorteile. Die Architektur ist an die Bedürfnisse von Personen mit körperlicher Einschränkung angepasst und sorgt für eine höhere Lebensqualität.

Für diese Menschen ermöglichen barrierefreie Baumaßnahmen ein selbstbestimmtes Leben. Mehr Sicherheit und Unabhängigkeit in den eigenen vier Wänden schafft eine ganz neue Lebensfreude. Sie sind ein weiterer Schritt, um Inklusion von allen Bevölkerungsgruppen umzusetzen.

Altersgerechtes Wohnen spielt außerdem für nahezu jeden im höheren Alter eine Rolle. Dementsprechend sind die Baumaßnahmen auch vorausgedacht und zukunftsrelevant. Weiterhin bietet barrierefreies Wohnen mehr Komfort, da es großzügige Flächen gewährleistet.

Die Nachteile von barrierefreiem Bauen sind zum einen die höheren Kosten.Viele Baumaßnahmen müssen nämlich von zertifizierten Handwerkerunternehmen durchgeführt werden. Die möglichen Fördermittel wirken diesem Aufwand jedoch für die geförderten Personen entgegen. Andererseits erfordern barrierefreie Maßnahmen genaue Planung. Bei einem Antrag auf Förderung ist meist sogar ein Kostenvoranschlag gefordert.

6. Checkliste: Ist Ihre Wohnung barrierefrei?

  • Sind eine Rollstuhlrampe und ein Treppenlift vorhanden?
  • Können Bodenschwellen und Stufen problemlos überwunden werden?
  • Gibt es großzügige Bewegungsflächen in der Wohnung (für Rollstühle, Rollatoren, etcetera)?
  • Sind die Lichtschalter und Haltegriffe in der richtigen Höhe?
  • Sind ausreichend breite Türen vorhanden?
  • Können nachträglich nicht vorhandene Installationen barrierefrei eingebaut werden?

7. Fazit zu barrierefreien Baumaßnahmen

Die barrierefreien Baumaßnahmen lohnen sich besonders für Haushalte, in denen körperlich eingeschränkte Menschen leben. Hohe Kosten sind durch eine frühzeitige Planung und Fördermittel reduzierbar. Außerdem tragen diese Maßnahmen zur Inklusion von behinderten Menschen bei. Sie bieten eine Möglichkeit zur selbstständigen Bewältigung ihres Alltags. Auch für Senioren ist barrierefreies Wohnen eine große Hilfe. Bei einer älter werdenden Gesellschaft ist dieser Baustil zukunftsorientiert und vorausgedacht. Schließlich wird auch die junge Generation in einigen Jahrzehnten auf diesen Baustil angewiesen sein.